„Dann sagte Jesus zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" Markus 16,15
Allen „Geschöpfen" oder aller „Kreatur" sollen wir das Evangelium verkündigen? Also auch den Tieren: Hund, Katze, Maus, Python und Mücke? Und wir haben es noch nicht mal allen Menschen verkündigt. Uff, es gibt noch viel zu tun. Bevor wir also in einer Kurzschlusshandlung zielgruppenorientierte Evangelisationsmodelle für Haus- und Waldtiere planen, halten wir noch mal kurz inne. In Römer 8,19 heißt es zwar: „Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Kinder Gottes vor aller Augen in dieser Herrlichkeit offenbar werden." Da geht es aber darum zu zeigen, dass die ganze Schöpfung unter den Folgen des Sündenfalls leidet und sich nach Erlösung sehnt. Wenn in Mk. 16,15 von „Geschöpfen" oder besser "Schöpfung" die Rede ist, dann haben die Juden es damals als „Menschenschöpfung" verstanden. Für die Griechen und unsere Denkweise war es ungewöhnlich. Aber klar ist, es sind alle Menschen gemeint! Wirklich alle!
Bevor nun eine falsche Erleichterung oder der „Kenn-ich-Effekt" einsetzt, wollen wir Gott eine Chance geben, uns in unserer kirchlichen Alltagsroutine zu erreichen. „Geht und verkündet!" Die Verkündigung des Evangeliums könnte auch gut und beständig im Zirkel der Gläubigen gepflegt werden. Aber seit Karfreitag, Ostern und endgültig Pfingsten ist dieser Zirkel aufgebrochen. Der Sühnetod Jesus hat Erlösung geschaffen, die allen Menschen gilt! Das soll die Jünger aller Zeiten auf die Beine und unter die Menschen bringen.
A. Pohl schreibt in seinem Markuskommentar (WuppStuB S. 592): "Dabei fehlt jede Rachetendenz. „Evangelium" ist Frohbotschaft, nicht Drohbotschaft. Schon der irdische Jesus war Gottes entgegengestreckte Friedenshand. Sie wurde blutig geschlagen und zurückgestoßen. Doch der von den Toten Auferweckte ist nun die von Narben bedeckte Versöhnungshand, die Gott abermals in seine abgefallene Schöpfung hineinhält. Er zieht sie nirgendwo und nirgendwann zurück, "bis an das Ende des Zeitalters" (Mt. 28,20). Nach Römer 10,21 streckt er sie "den ganzen Tag" aus, also die gesamte Heilszeit. Eine im Banne Satans liegende Welt soll erfahren, dass sie einen unsagbar guten Herrn bekommen hat, und wird ermächtigt, sich ihm unter Anrufung seines Namens zu unterstellen (Apg. 2,21)." Besser kann man es nicht sagen!
Der Auftrag ist klar. Die Zusage Gottes, uns die richtigen Worte zu schenken besteht. Aber der Anlauf zum „Sprung" ist lang. Religion ist gründlich zur Privatsache gemacht worden. Jeder darf seine „Wahrheit" erzählen. Da ist unsere Gesellschaft lockerer als früher. Aber sobald wir deutlicher werden, bekommen wir es zu hören: „Das ist deine persönliche Wahrheit! Es gibt nicht die Wahrheit!" Aber wir müssen auch nicht so auftreten. Die Frohbotschaft wird ihren Weg finden. Aber in den Zeiten wo Versicherungen, Versandhäuser und alle möglichen Firmen ihre „Mission" formulieren, sollten wir uns nicht selbst den Mund verbieten.
Diesen Weg muss keiner alleine gehen! Wir sind als Gemeinde und als Christen in unserer Stadt heraus gefordert. Der Auftrag ist klar, aber wie er heute so umgesetzt werden kann, dass die frohe Botschaft auch klar und froh rüber kommt, da wollen wir uns auf den Weg machen und neu fragen. Lassen wir uns vom gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus und seiner Liebe zu den Menschen neu anstecken.
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